OV 2005/1026
Projekt: Erschließungsgebiet GU 26, „Gustav-Mahler-Straße“

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Kreis: Neuss
Gemeinde: Grevenbroich
Ortsteil: Gustorf
Flurbezeichnung: „Am Kühlchen“
TK-Nr./Name: 4905; „Grevenbroich“
DGK-Nr.;Name: 4905/02; „Gustorf“
Gauss-Krüger-Koordinaten: R: 2539502 - 2539550   H: 5660343 - 5660414

Ende des Jahres 2005 wurden bei einer bauvorgreifenden Flächengrabung in Grevenbroich im Ortsteil Gustorf innerhalb des Erschließungsgebietes „Gustav-Mahler-Straße“ zahlreiche Befundstrukturen einer eisenzeitlichen Siedlung freigelegt.

In der nur ausschnittweise untersuchten Fläche fanden sich einige gut erhaltene Grubenbefunde und zahlreiche, meist schlecht erhaltene Pfostengruben. Während die Siedlungsgruben über das gesamte Grabungsareal streuten, waren die Pfostenbefunde im wesentlichen auf den westlichen Flächenbereich konzentriert. Die Befundsituation deutet darauf hin, dass die ursprüngliche Ausdehnung des Siedlungsplatzes zumindest in westlicher Richtung über den durch die Ausgrabung erfassten Bereich hinausreicht. Anhand der Verteilung der Pfostengruben waren nur wenige Siedlungsstrukturen ablesbar. Es ließen sich lediglich zwei kleine Vierpfostenbauten (Innenfläche: 3,9 und 4,25 qm) rekonstruieren, die als Speicherbauten interpretiert werden können. Sie wurden durch eine möglicherweise als Zaun zu deutende Pfostenreihung voneinander abgegrenzt.

Das in erster Linie aus den Abfallgruben geborgene Fundmaterial bestand überwiegend aus stark zerscherbter Gefäßkeramik, die hauptsächlich der Kategorie Grobkeramik zuzuordnen ist. Es fanden sich jedoch auch ein unmodifizierter Silexabschlag, Schleifsteine und zahlreiche Quarz- und Quarzitgerölle, teils mit Spuren von Hitzeeinwirkung. Für eine formenkundliche Analyse der Keramikfunde konnte nur auf wenige Randscherben zurückgegriffen werden. Es ließen sich einige fassförmige Gefäße (teils mit Randverzierung), zwei Schrägrandgefäße und verschiedene Schalenformen (darunter eine Schale mit hohem Umbruch und Kammstrichverzierung, eine sog. Schale mit Hakenrand und eine Schale mit einbiegendem Rand) nachweisen. Viele Wandscherben zeigten einen Schlickauftrag und fast ein Sechstel aller Scherben war verziert, wobei die Kammstrichverzierung eindeutig dominiert. Anhand der Keramikfunde lässt sich der Fundplatz in den Übergangshorizont Hallstatt D/Frühlatène datieren.

Unmittelbar südlich der Siedlungs-befunde kam als besonderer Befund ein Kreisgraben zutage, der als Einhegung eines nicht mehr erhaltenen Grabhügels zu interpretieren ist. In seinem nordwestlichen Abschnitt weicht er allerdings deutlich von der Kreisform ab. Im Inneren des durch den Graben eingehegten Areals wurde ein ‚in situ’ befindliches Leichenbrandlager mit deutlich erkennbarer Grabgrube entdeckt. Darüber hinaus fanden sich eine weitere, möglicherweise verzogene Anhäufung von Leichenbrand und ein grubenartig eingetiefter Befund, der in Form und Verfüllung gut mit der Grabgrube des Leichenbrandlagers zu vergleichen war. Dies könnte auf eine Mehrfachbelegung des Grabhügels hindeuten. Der Kreisgraben wies im Planum mehrere kleine und eine größere Unterbrechung auf. Durch die archäologische Untersuchung konnte geklärt werden, dass es sich dabei nicht um sog. Erdbrücken, sondern um erhaltungsbedingte befundfreie Abschnitte handelt. Da weder die Verfüllung des Kreisgrabens noch die Bestattungsbefunde datierende Beifunde lieferten, ist eine Korrelation mit der unmittelbar angrenzenden eisenzeitlichen Siedlung zunächst nicht möglich.

Thomas Ibeling, 2005